Die kirchliche Trauung

Heiraten mit Stil - eine alte Tradition wird wieder modern
Eine kirchliche Trauung nach altem Ritus - das hat Stil. Nach dem Standesamt tritt das Brautpaar oft noch vor den Altar einer Kirche und für manches Paar reicht die ideelle Bedeutung des Zeremoniells sogar noch weiter als die der formellen Eheschließung.
 
Ein Brautpaar ist - ganz unsensibel betrachtet – mit dem standesamtlichen Eheschließung schon am Ziel seines Plans, eine gültige Ehe zu schließen. Die kirchliche Trauung hat keinerlei zivilrechtliche Bedeutung und könnte rechtlich gesehen auch wegfallen. Andernorts gibt es das nicht: In Spanien, Italien, Irland und dem Vereinten Königreich beispielsweise ist die kirchliche Trauung ein unverzichtbarer Bestandteil der Eheschließung.

Seit Januar 2009 gilt: Das Brautpaar kann auch dann kirchlich heiraten, wenn es keine Urkunde vom Standesamt vorlegt - allerdings hat diese Zeremonie nur symbolische Bedeutung. Es muss nicht notwendig die Kirche sein, in der sich das Paar das Ja-Wort gibt. In genehmigten Ausnahmen kann eine vollwertige christliche Trauung auch im Freien stattfinden. Auskunft hierüber gibt der zuständige Pfarrer, der auch eine so genannte Dimissoriale erteilen kann.
 
Klares Bekenntnis zur Tradition
Warum kirchlich heiraten? Dafür gibt es viele Gründe: Weil Tradition hier modern ist und es auch bleibt. Und eine kirchliche Trauung betont die emotionale, die ideelle Seite der Eheschließung, die bei der Aktenhuberei auf dem Standesamt oft etwas zu kurz kommt.

Natürlich und vor allem ist es der Segen eines Geistlichen, auf den viele Paare nicht verzichten wollen. Bei einer katholischen Trauung ist der Hochzeitssegen sogar ein wichtiges heiliges Sakrament, das manchem religiösen Paar das Gefühl verleiht, der Kirche neben dem Staat eine ebenso wichtige Bedeutung zu geben und so die Proportionen ins richtige Maß zu setzen.

Eine Zeremonie nach altem Brauch erhebt den Tag der Hochzeit zu einem ganz besonderen, emotionalen Fest mit festen, rituellen Abläufen. Manches Brautpaar vermeidet dabei jede noch so geringe Abweichung vom klassischen Ablauf einer kirchlichen Trauung und fühlt sich erst in jenem Moment als richtiges Ehepaar, wenn es aus der Kirche tritt.
 

Aktive Mitgestaltung
Die kirchliche Trauung ist keine starre Zeremonie, die das Paar über sich ergehen lässt. An der Trauung können sich das Paar oder die Familie beteiligen. Die Trauung erhält dann eine ganz persönliche, einzigartige Färbung und lässt sie unvergesslich werden.

Variabel sind meist das Treueversprechen, der Trauspruch, Lesungen, die Auswahl der Lieder, die Segnung, die Ringsegnung, die Gebete, die Gestaltung der Feierhefte und die Reihenfolge der Einziehenden. Dies und den gesamten Ablauf der kirchlichen Trauung sowie besondere Darbietungen wird man in einem Vorbereitungsgespräch gemeinsam mit dem Pfarrer besprechen und festlegen.
 
Nicht vergessen
Das Wichtigste ist, am Tag der Trauung die Nerven zu behalten. Über Pannen und Skurriles aus Gründen der Hektik kann man vieles erzählen. Für die allzu elektrischen Momente am Tag der Trauung empfiehlt sich ein kleiner Spickzettel, der hilft, den Blick fürs Wesentliche zu behalten. Zusätzlich gilt: Bei der Fahrt zur Kirche unbedingt auf die Farbe der Ampeln achten.
Nicht vergessen:
 
  • Ringkissen plus Ringe
  • Hochzeitskerze
  • Liederhefte
  • Korb mit Streublumen
  • Blumenkinder, Kerzenträger, Ringträger
  • Kirchendekoration, Altardekoration, Blumenschmuck für die Kirche
  • Braut/Bräutigam
  • Trauzeugen, die im Gegensatz zur standesamtlichen Trauung anwesend sein müssen
 
 
Der Ablauf der kirchlichen Trauung
Die lieben Verwandten, Freunde und Bekannten sitzen – meist hüstelnd - beieinander und warten gespannt auf das Eintreffen des Brautpaares. Die Glocken läuten, der Geistliche empfängt das Paar am Kirchenportal und der feierliche Einzug in die Kirche beginnt. Der Kirchenraum, die Bänke, der Altar - alles ist festlich herausgeputzt, die Kerzen sind entzündet, der Orgelspieler greift in die Tasten und die Gemeinde erhebt sich und das Lächeln des Brautpaares macht den Einzug zum doppelten Vergnügen.
 
Die Blumenkinder streuen ihre Blumen und halten brav die Spur des Brautpaares bis nach vorne zum Altar. Der Geistliche begrüßt das Brautpaar und die Gemeinde – und jene, die im Mittelpunkt stehen, dürfen sich jetzt setzen: auf das Brautgestühl, das direkt vor dem Altar steht und mit Blumen oder Bändern geschmückt ist.

Seinen geregelten Gang nimmt der Traugottesdienst mit einer Abfolge aus
  • Gebet,
  • Gesang,
  • Lesungen aus der Bibel,
  • dem Trautext,
  • der Predigt,
  • erneut Gesang,
  • dem feierlichen Ja-Wort,
  • dem Ringtausch,
  • Gebet,
  • der Segnung des Brautpaares,
  • Gesang,
  • Fürbitten und
  • Schlussbemerkungen des Geistlichen.
 
Nach einem gemeinsamen Vaterunser entlässt der Pfarrer mit dem Segen für Brautpaar und Gemeinde dieselben mit dem feierlichen Auszug aus dem Traugottesdienst in den restlichen Festtag.
 
Fotografieren erlaubt?
Bilder von nahen Verwandten und entfernten Angehörigen: Das Zoomobjektiv des Fotografen fängt jedes noch so kleine Detail der Zeremonie ein, es kann kaum etwas verloren gehen. Einziger Nachteil: Es macht Geräusche und bringt Unruhe. Entsprechend herrscht in manchen Kirchen während der Trauung ein Foto- und Videoverbot. In diesem Fall kann man meist nach der Trauung noch Bilder machen.
 
Was kostet die Trauung?
Die Kostenfrage wird in den Gemeinden ganz unterschiedlich gehandhabt. Meist ist der Traugottesdienst für Mitglieder der Gemeinde kostenlos oder nur mit einer geringen Gebühr belegt. Besonderer Blumenschmuck, der über die vorhandene floristische Gestaltung der Kirche hinausgeht, kostet natürlich extra. Und auch außerhalb der eigenen Gemeinde zu heiraten ist meist mit zusätzlichen Kosten behaftet – hier kann nur der zuständige Pfarrer genaue Auskünfte geben.
 
Gibt es eine ökumenische Trauung?
Ist ein Teil des Paares katholisch, der andere evangelisch, kann man so vorgehen: Man feiert einen evangelischen Gottesdienst mit Teilnahme eines katholischen Geistlichen - oder einen katholischen Gottesdienst mit Teilnahme eines evangelischen Geistlichen. Ein gemischt- konfessioneller Gottesdienst ist dies eigentlich nicht, er wird umgangssprachlich nur ökumenisch genannt.


Ist der Tag der Trauung frei wählbar?
Jede Gemeinde regelt die Zeiten für Trauungen anders: Manche haben strenge Termine, in anderen kann man beinahe frei wählen. Ausnahmen sind bestimmte Festtage, meist auch die Karwoche oder bereits belegte und beliebte Termine – hier sollte man den Wunschtermin frühzeitig mit dem Pfarrbüro abklären, um keine Enttäuschungen zu erleben.